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Ist tatsächlich der Transportbetonlieferant verantwortlich?

Transportbeton - ein ganz spezieller Baustoff

Keine Frage, Beton ist ein faszinierender und vielseitiger Baustoff. Aber was macht ihn so besonders? Was ist Beton überhaupt? Und wo liegen die Tücken auf dem Weg zum fertigen Betonbauwerk?

 

Zunächst hilft ein Blick in die zugrundeliegenden technischen Normen. Die bis 2001 geltende Beton-Norm DIN 1045 (1988) enthielt eine recht eingängige Definition: Beton ist ein künstlicher Stein, der aus einem Gemisch von Zement, Betonzuschlag und – gegebenenfalls auch Betonzusatzmitteln und Betonzusatzstoffen (Betonzusätze) – durch Erhärten des Zementleims (Zement-Wasser-Gemisch) entsteht. Die seither geltende Normenreihe DIN 1045 drückt dies noch etwas abstrakter aus: Baustoff, erzeugt durch Mischen von Zement, grober und feiner Gesteinskörnung und Wasser, mit und ohne Zugabe von Zusatzmitteln und Zusatzstoffen. Er erhält seine Eigenschaften durch Hydratation des Zements.

 

Auch wenn beide Definitionen von Beton etwas sperrig klingen, so wird doch deutlich, dass das ganz besondere Charakteristikum des Baustoffs Transportbeton darin liegt, dass dieser sich – ganz gewollt – vom Zeitpunkt des Erstkontakts des hydraulischen Bindemittels Zement mit Wasser verändert, nämlich infolge der sog. Hydratation zunächst erstarrt und dann erhärtet und auf diese Weise vom ursprünglichen Frischbeton zum Festbeton wird.

 

Hinzu kommt, dass für die eigentliche Verarbeitung (Transport zur Baustelle, Einbringen, Verdichten, Glätten etc.) nur ein kleines Zeitfenster von max. 90 Minuten zur Verfügung steht, bevor der Frischbeton bereits zu weit erstarrt ist. Dieser Umstand, dass nämlich der zum Zeitpunkt der Anlieferung und des Einbaus noch frische Beton (Frischbeton) immer mehr erstarrt und erhärtet und damit zum Festbeton oder Bauwerksbeton wird, unterscheidet den Baustoff Transportbeton fundamental von anderen Baustoffen, wie beispielsweise Ziegelsteinen oder auch Betonfertigteilen, deren Eigenschaften vom Zeitpunkt der Lieferung, über den Einbau und bis zur Fertigstellung des letztendlichen Bauwerks sich nicht wesentlich verändern.

 

Darüber hinaus bedarf der Transportbeton während der gesamten Phase der Erstarrung und Erhärtung und auch noch im Stadium des jungen Betons einer sorgfältigen Behandlung, um das planerisch beabsichtigte Ergebnis im Bauwerk – d.h. die gewünschten Festbetoneigenschaften im fertigen Bauwerk – zu erreichen.

 

Was sind die besonderen Risiken für den Lieferanten?

Die spezifischen Risiken für den Lieferanten des Transportbetons liegen in den beiden schon angesprochenen Besonderheiten des Baustoffs Transportbeton:  Einerseits handelt es ich um ein Produkt, welches sich in der Zeitspanne zwischen der Herstellung im Transportbetonwerk, über die Anlieferung an die Baustelle mit dem Fahrmischer, den Einbau, die Verdichtung, das eventuelle Glätten auf der Baustelle etc. bis hin zum erhärteten Bauwerks- bzw. Festbeton stark verändert und welches andererseits während dieser gesamten Zeitspanne einer sorgfältigen Behandlung und Nachbehandlung bedarf.

 

Ab dem Zeitpunkt der Übergabe des frischen Transportbetons auf der Baustelle an den Einbauer hat der Transportbetonlieferant jedoch keinerlei Einfluss mehr darauf, was mit dem von ihm gelieferten Transportbeton tatsächlich geschieht. Trotzdem wird der Transportbetonlieferant in den allermeisten Fällen als erster verantwortlich gemacht, wenn es um qualitative Probleme am Bauwerksbeton (abweichende Festigkeiten, oberflächennahe Hohllagen und Abplatzungen an Betonböden, Frostschäden etc.) geht. Tatsächlich haben spätere Mängel am Bauwerksbeton jedoch in den weit überwiegenden Fällen ihre Ursache in Fehlern beim Einbau: das Einbringen des Frischbetons mit zu großen Fallhöhen, die unzureichende Verdichtung des Frischbetons, der fehlende Schutz des frischen Betons gegen vorzeitiges Austrocknen (Verdursten) sowie das verspätete Glätten der Oberfläche bei Betonböden, die ungenügende oder völlig fehlende Nachbehandlung, der unzureichende Schutz gegen Frosteinwirkungen etc.

 

Die spezifischen Risiken für den Transportbetonlieferanten liegen deshalb darin, dass dieser sich häufig mit Reklamationen und Schadensmeldungen auseinandersetzen muss, deren Ursachen gar nicht in seinem Einflussbereich liegen, es aber häufig – gerade in gerichtlichen Verfahren, in denen mit den Besonderheiten des Baustoffs nicht genügend vertraute Sachverständige tätig sind – nicht gelingt, die Verursachungs- und Verantwortungsbeiträge deutlich voneinander abzugrenzen. 

 

Transportbetonspezifische Fachexpertise

Auf Basis unserer inzwischen zwanzigjährigen Beratungspraxis im Bereich Transportbeton unterstützen wir Sie zusammen mit den betontechnologischen Experten unseres Netzwerkes effektiv und zielführend sowohl im Reklamations- und Schadensfall als auch präventiv bei der Begrenzung der bestehenden Risiken.

 

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